Schock-Report enthüllt: Gesundheits-Fake-News breiten sich weltweit viel rasanter aus als bisher angenommen

Eine internationale Umfrage zeigt, dass der Glaube an medizinische Mythen in verschiedenen sozialen Gruppen weit verbreitet ist, was auf einen Vertrauensverlust gegenüber Institutionen und einen zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen hindeutet.

Fehlinformationen zum Thema Gesundheit verbreiten sich immer weiter. (Getty Images)
Fehlinformationen zum Thema Gesundheit verbreiten sich immer weiter. (Getty Images)
João Cunha
João Cunha Meteored Brasilien 6 min

Die Krise im Zusammenhang mit Falschinformationen im Gesundheitsbereich ist weitaus verbreiteter, als Experten bis vor kurzem angenommen hatten. Eine neue weltweite Umfrage zeigt, dass die meisten Menschen weltweit mindestens einen längst widerlegten medizinischen Mythos für wahr halten. Diese Ergebnisse stellen die Annahme in Frage, dass Falschinformationen auf bestimmte Gruppen beschränkt seien.

Jahrelang lautete die vorherrschende Theorie, dass sich falsche Vorstellungen zum Thema Gesundheit auf bestimmte Bevölkerungsgruppen konzentrierten, beispielsweise auf Menschen mit starker politischer Polarisierung oder niedrigem Bildungsniveau. Diese Auffassung wurde jedoch durch aktuelle Untersuchungen von Edelman widerlegt.

Der Sonderbericht aus dem Jahr 2026, der auf den Antworten von mehr als 16.000 Menschen in 16 Ländern basiert, zeigt, dass sieben von zehn Befragten mindestens einer von sechs falschen Gesundheitsbehauptungen Glauben schenken. Dazu gehören Vorstellungen wie die Überlegenheit von tierischem Eiweiß, die angeblichen Risiken von Fluorid im Trinkwasser und Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit Impfstoffen.

Mythen, die in allen sozialen Gruppen verbreitet sind

Die Daten zeigen, dass falsche Vorstellungen nicht auf eine bestimmte Bevölkerungsgruppe beschränkt sind. Unter den Personen mit Hochschulabschluss glauben 69 % an mindestens einen dieser Mythen – praktisch derselbe Anteil wie bei denjenigen ohne Hochschulabschluss.

Einem Bericht zufolge ziehen immer mehr Patienten Ratschläge von KI, Gleichgesinnten und anderen unkonventionellen Quellen in Betracht. Bildnachweis: Getty Images / Kateryna Kovarzh
Einem Bericht zufolge ziehen immer mehr Patienten Ratschläge von KI, Gleichgesinnten und anderen unkonventionellen Quellen in Betracht. Bildnachweis: Getty Images / Kateryna Kovarzh

Auch politische Meinungsunterschiede können dieses Phänomen nicht erklären. Während 78 % der rechtsgerichteten Befragten mindestens eine dieser Ansichten teilen, ist der Anteil unter den Linken mit 64 % ebenfalls hoch. Dieses Muster wiederholt sich in verschiedenen Altersgruppen und Regionen der Welt.

Zudem ist das Problem in Entwicklungsländern noch dringlicher. Interessanterweise gehören die Vereinigten Staaten, die oft als Epizentrum von Falschinformationen im Gesundheitsbereich bezeichnet werden, nicht zu den Ländern mit den höchsten Werten in der Umfrage.

Soziale Erosion und Polarisierung schüren Misstrauen

Die an der Studie beteiligten Experten betonen, dass die Verbreitung von Falschinformationen mit einem anhaltenden Prozess der sozialen Erosion zusammenhängt. Ungelöste Ängste und das Fehlen wirksamer Antworten tragen zu einer zunehmenden Polarisierung bei.

Dieses Szenario führt zu einem besorgniserregenden Teufelskreis: Polarisierung führt zu Lähmung, was wiederum Ressentiments schürt und letztlich die Isolation zwischen den Gruppen verstärkt. Infolgedessen wird es immer schwieriger, Menschen mit anderen Meinungen oder Hintergründen zu vertrauen.

Diese „Verhärtung“ der sozialen Beziehungen verstärkt den Tribalismus und erschwert den Dialog und die Suche nach einem Konsens zunehmend, insbesondere bei komplexen Themen wie der öffentlichen Gesundheit.

Sinkendes Vertrauen und Informationsüberflutung

Unterdessen verschärft die Krise der Fehlinformationen ein weiteres Problem: das schwindende Vertrauen der Menschen in ihre eigene Fähigkeit, Entscheidungen über ihre Gesundheit zu treffen. Innerhalb nur eines Jahres sank dieser Indikator um 10 Prozentpunkte auf 51 %.

Das Vertrauen in die Berichterstattung der Medien über Gesundheitsthemen ist nach wie vor gering und liegt sogar unter dem Niveau vor der COVID-19-Pandemie. Experten sind der Ansicht, dass das Problem nicht in einem Mangel an Informationen liegt, sondern vielmehr in einem Überangebot an Informationen.

Angesichts der Fülle an verfügbaren, oft widersprüchlichen Quellen fällt es der Öffentlichkeit schwer, verlässliche Informationen von irreführenden Inhalten zu unterscheiden. Diese Situation schafft ein Umfeld, das der Verbreitung von Mythen Vorschub leistet.

Künstliche Intelligenz gewinnt im Gesundheitswesen zunehmend an Bedeutung

In diesem von Unsicherheit geprägten Umfeld spielt künstliche Intelligenz eine immer wichtigere Rolle. Rund 35 % der Befragten geben an, dass sie eine Form von KI nutzen, um gesundheitliche Probleme zu bewältigen.

Zudem sind 64 % der Meinung, dass Personen mit Kenntnissen dieser Technologie medizinische Aufgaben ebenso gut ausführen können wie ausgebildete Fachkräfte, einschließlich Diagnose und Behandlungsplanung.

Der Einsatz von KI wird auch mit der Wahrnehmung von Mängeln im Gesundheitswesen in Verbindung gebracht. Schwierigkeiten beim Zugang zur medizinischen Versorgung, hohe Kosten und das Gefühl, von Ärzten beurteilt zu werden, veranlassen viele Patienten dazu, nach digitalen Alternativen zu suchen.

Die neue Rolle der Ärzte und mögliche Wege in die Zukunft

Trotz der besorgniserregenden Aussichten bietet die Studie einen Hoffnungsschimmer: Ärzte sind nach wie vor die vertrauenswürdigste Quelle für Gesundheitsinformationen. Experten fordern jedoch eine Veränderung in der Art und Weise, wie sich diese Beziehung entwickelt.

Die wissenschaftliche Kommunikation, die sich traditionell auf die Darstellung von Ergebnissen konzentriert, muss sich weiterentwickeln, um auch die Prozesse und Beweggründe hinter den Entdeckungen zu erläutern. Dies kann dazu beitragen, das Vertrauen der Öffentlichkeit wiederherzustellen.

Mehr als Autorität suchen Patienten eine partnerschaftliche Beziehung. Die Empfehlung der Forscher ist eindeutig: weniger Bevormundung und mehr Dialog. Anstatt als unantastbare Autoritäten aufzutreten, sollten Ärzte als Wegbegleiter fungieren und auf die Zweifel und Bedürfnisse jedes Einzelnen eingehen.

Quellenhinweis:

Edelman. Special Report: Trust and Health. 2026

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